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Chronik 1973


26.02.1973
Mahler zu 12 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt


Der Erste Strafsenat des Berliner Kammergerichts verurteilt den 37jährigen Rechtsanwalt Horst Mahler zu zwölf Jahren Freiheitsentzug bei Anrechnung von 21 Monaten Untersuchungshaft. Das Urteil entspricht dem Antrag der Bundesanwaltschaft. Mahler gilt als Haupträdelsführer innerhalb der Baader-Meinhof-Gruppe. Er war gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Gruppe bereits am 8. 10. 1970 verhaftet worden. Die Hauptbegründung des Urteils auf zwölf Jahre Freiheitsstrafe lautet „wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes in Tateinheit mit Gründung einer kriminellen Vereinigung und Beteiligung an derselben“.
Mit dem schweren Raub ist der Überfall auf drei Berliner Banken am 29. September 1970 gemeint, wobei ungefähr 2,2 Mio. DM erbeutet wurden; Mahler gab während des Prozesses verschiedentlich Grundsatzerklärungen ab, in denen er seine Entschlossenheit proklamierte, den Guerillakrieg gegen die gegenwärtige Gesellschaft fortzuführen. Seine Schlußworte vor der Verkündung des Urteils:
„Mit Bütteln des Kapitals spricht man nicht, da schießt man! Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft! Die Freiheit ist unsere Fahne!“

Archiv der Gegenwart 1973, S. 17700 C

7.04.1973
Kommunistischer Studentenverband (KSV): Demonstration


Während einer Demonstration des KSV am 7. 4. 1973 in Frankfurt werden 6 Polizeibeamte verletzt.

Gerd Langguth, Die Protestbewegung in der Bundesrepublik Deutschland 1968–1976, Verlag Wissenschaft und Politik, Berend von Nottbeck, Köln 1976, S. 133

10. 4. 1973
Besetzung des Bonner Rathauses durch Mitglieder der (maoistischen) Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD)


Eine der spektakulärsten Aktionen der KPD ist die Besetzung des Bonner Rathauses am 10. 4. 1973 im Zusammenhang mit dem Besuch des südvietnamesischen Staatspräsidenten Nguyen Van Thieu, wobei 34 Polizeibeamte verletzt werden.

Gerd Langguth, Die Protestbewegung in der Bundesrepublik Deutschland 1968–1976, Verlag Wissenschaft und Politik, Berend von Nottbeck, Köln 1976, S. 132

15. 5. 1973
Blitzaktion der Polizei gegen KPD-Stützpunkte


Vor dem Hintergrund des gewaltsamen Rathaussturmes in Bonn, aber auch des herannahenden Besuches von Breschnew in der Bundesrepublik, gegen den ebenfalls Störaktionen befürchtet werden, findet am 15. 5. 1973 eine Blitzaktion der Polizei gegen die Stützpunkte der KPD statt, dabei wird Jürgen Horlemann festgenommen.

Gerd Langguth, Die Protestbewegung in der Bundesrepublik Deutschland 1968–1976, Verlag Wissenschaft und Politik, Berend von Nottbeck, Köln 1976, S. 133

17. 5. 1973
Kundgebung der (maoistischen) Kommunistischen Partei
Deutschlands (KPD)


Für den 17. 5. 1973 ruft die KPD in Dortmund zu einer Kundgebung auf. Die Demonstration wird trotz eines Verbots durch den nordrhein-westfälischen Innenminister durchgeführt. An ihr nehmen etwa 2000 Demonstranten teil, denen ein Aufgebot von 4000 Polizisten gegenübersteht. Die Demonstration wird dann „mit harten Mitteln“ von der Polizei aufgelöst und ca. 350 Mitglieder oder Sympathisanten der KPD festgenommen.

Gerd Langguth, Die Protestbewegung in der Bundesrepublik Deutschland 1968–1976, Verlag Wissenschaft und Politik, Berend von Nottbeck, Köln 1976, S. 133

04.06.1973
„Solidaritätskundgebung“


Am 4. 6. 1973 findet eine „Solidaritätskundgebung“ für die KPD mit tausend Teilnehmern in der Universität Frankfurt statt und führt zu einem spontanen Demonstrationszug, der unter Einsatz von Schlagstöcken und Wasserwerfern durch die Polizei aufgelöst wird. An dieser Demonstration nehmen auch Rudi Dutschke und Daniel Cohn-Bendit teil.

Gerd Langguth, Die Protestbewegung in der Bundesrepublik Deutschland 1968–1976, Verlag Wissenschaft und Politik, Berend von Nottbeck, Köln 1976, S. 217

08.–12.06.1973
Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW)


Der KBW wird am 12. 6. 1973 in Bremen gegründet. Er erweist sich später als eine der wichtigsten Gruppen der extremen Linken und erzielt v. a. im studentisch-intellektuellen Bereich einen starken Zulauf. Anfangs hat er ca. 900 Mitglieder. Parteisekretär wird Hans Gerhard („Joscha“) Schmierer.

Gerd Langguth, Die Protestbewegung in der Bundesrepublik Deutschland 1968–1976, Verlag Wissenschaft und Politik, Berend von Nottbeck, Köln 1976, S. 165


Zusammengestellt von Hans-Helmuth Knütter und Alexander Helten

Abkürzungen der Literaturangaben


AL = Michael Bühnemann u. a. (Hg.): AL. Die Alternative Liste Berlin. Berlin 1984
APuZ = Aus Politik und Zeitgeschichte
Backes = Uwe Backes / Eckhard Jesse: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1996
BPA-Bulletin = Bulletin des Bundespresseamtes (Bonn)
Schlomann = Friedrich W. Schlomann: Die Maulwürfe. Berlin 1994