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Das Jahr 1995



8. 1. 1995
Anschläge nach Räumung eines „Hüttendorfes“


Im Anschluß an die politische Auflösung des linksautonomen „Hüttendorfes Anatopia“ in Papenburg kommt es im Januar und Februar zu 22 Gewaltaktionen, darunter sechs Brandanschläge in Nord- und Westdeutschland.

Verfassungsschutzbericht 1995, S. 51 f.


17. 1. 1995
Anschlag auf „Junge Freiheit“


In Berlin setzen Autonome den PKW des Chefredakteurs der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ in Brand. In einem „Bekennerschreiben“ heißt es: „Militantes Vorgehen gegen die Vertriebsstrukturen der Zeitung war und bleibt … eine mögliche Aktionsform, um das hoffentlich baldige Ende dieser Zeitung herbeizuführen.“

Verfassungsschutzbericht 1995, S. 51 f.


22. 1. 1995
Antiimperialistische Zellen (AIZ)


Die Antiimperialistischen Zellen (AIZ) verüben einen Rohrbomben-Anschlag auf das Wohnhaus des früheren Staatssekretärs im Entwicklungshilfeministerium, Volkmar Köhler, in Wolfsburg. Dabei entsteht erheblicher Sachschaden.

FOCUS, 25. 9. 1995


11. 4. 1995
Sprengstoffanschlag auf Haftanstalt verhindert


Zu dem verhinderten Anschlag auf eine im Bau befindliche Abschiebehaftanstalt in Grünau bei Berlin bekennt sich das linksterroristische „K.O.M.I.T.E.E.“.

Frankfurter Rundschau, 14. 6. 1995; Verfassungsschutzbericht 1995, S. 41 f.


13. 4. 1995
Millionenschaden bei Anschlag „Autonomer“


Bei einem Anschlag auf einen Hochspannungsmast im brandenburgischen Gortz entsteht ein Sachschaden von zwei Millionen DM.

Verfassungsschutzbericht 1995, S. 44


14.–17. 4. 1995
„Autonomen-Kongreß“ in Berlin


In der Berliner Technischen Universität findet ein Treffen „Autonomer“ mit ca. 2.000 Teilnehmern aus dem ganzen Bundesgebiet statt. In der „Kongreßzeitung“ heißt es u. a.: „Grüße von allen an die Gesuchten und Untergetauchten … Militanz heißt Unversöhnlichkeit gegenüber den Herrschaftsstrukturen dieser Gesellschaft.“

Verfassungsschutzbericht 1995, S. 44


23. 4. 1995
Antiimperialistische Zellen (AIZ)


Die Antiimperialistischen Zellen verüben einen Sprengstoffanschlag auf das Haus des CDU-Bundestagsabgeordneten Blank in Erkrath. Blank rettet sich mit seiner Familie durch die Hintertür.

FOCUS, 25. 9. 1995


24. 4. 1995
Antiimperialistische Zellen (AIZ)


Die AIZ bekennen sich in einem Schreiben verantwortlich zu dem Anschlag auf den Düsseldorfer CDU-Bundestagsabgeordneten Joseph-Theodor Blank, bei dem Blank unverletzt blieb. Schon sieben Anschläge binnen drei Jahren (immer laut Selbstbezichtigung) sind der AIZ zuzurechnen: auf die Universität Hamburg, auf den Arbeitgeberverband Gesamtmetall, auf das Haus eines ehemaligen GSG-9-Mannes in Solingen, auf die Geschäftsstellen der CDU in Düsseldorf und der FDP in Bremen, schließlich im Januar 1995 auf den ehemaligen CDU-Abgeordneten Volkmar Köhler. All diese Anschläge fanden, weil niemand zu Schaden kam, kaum Beachtung. Das scheint die AIZ veranlaßt zu haben, sich seit kurzem bewußt in die Tradition linksradikaler Exekutionsspezialisten zu stellen. Im Bekennerschreiben heißt es deshalb, Sachbeschädigung stelle „für die brd-eliten mehr eine versicherungstechnische angelegenheit“ dar.

Die Zeit, 28. 4. 1995


1. 5. 1995
Krawalle in Berlin


Bei gewalttätigen Ausschreitungen „autonomer“ Gruppen zum 1. Mai werden u. a. 99 Polizisten verletzt.

Verfassungsschutzbericht 1995, S. 45


13. 6. 1995
Bundesweite Razzia gegen „Antiimperialistische Zellen“


Die Bundesanwaltschaft läßt im Zusammenhang mit laufenden Ermittlungsverfahren im gesamten Bundesgebiet 50 Wohnungen durchsuchen. Ziel der Razzia sind die „Hauptträger linksextremistisch motivierter Gewalt“, vor allem die linksextremen „Antiimperialistischen Zellen“.
Die „Antiimperialistischen Zellen“ (AIZ) hatten sich in den vorangegangenen Monaten zu verschiedenen Anschlägen bekannt. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft gibt es keine Hinweise auf eine Verbindung zu der „Roten-Armee-Fraktion“ (RAF). Andere Quellen bezeichnen die „Antiimperialistischen Zellen“ als Ableger der RAF. Der Verfassungsschutz schätzt die AIZ auf knapp 50 Mitglieder.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. 6. 1995;
Hamburger Abendblatt, 14. 6. 1995



13. 6. 1995
Haftbefehl gegen vier Linksextremisten


Gegen vier Mitarbeiter der linksextremen Untergrunddruckschrift „radikal“ erläßt der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Haftbefehl. Die vier Männer wurden festgenommen im Verdacht, Mitglieder einer kriminellen Vereinigung zu sein, die für eine terroristische Vereinigung geworben und Anleitungen zu Straftaten gegeben haben soll.
Die Druckschrift „radikal“ veröffentlicht laut Bundesanwaltschaft regelmäßig Anleitungen zur Begehung von Anschlägen und anderen Straftaten. Sie verstehe sich als Sprachrohr und Kommunikationsorgan des militanten linksextremistischen und linksterroristischen Spektrums. „radikal“ verfüge über festgefügte Oganisations­formen und arbeite zum Schutz vor Strafverfolgung hochkonspi­rativ.

Süddeutsche Zeitung, München, 16. 6. 1995


13. 6. 1995
Razzia gegen Linksextremisten


In einer großangelegten Razzia läßt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe 50 Objekte in acht Bundesländern durchsuchen. Die Aktion richtet sich gegen die linksextremistischen Vereinigungen „Antiimperialistische Zellen (AIZ)“ und „DAS K.O.M.I.T.E.E.“, ferner gegen die Herausgeber der konspirativen Zeitschrift „radikal“.
Generalbundesanwalt Kay Nehm gibt bekannt, daß bei der Aktion vier Personen festgenommen wurden und die Durchsuchungen ohne besondere Vorkommnisse verliefen.
„DAS K.O.M.I.T.E.E.“ übernahm in Bekennerschreiben die Verantwortung für Sprengstoffanschläge auf die Bundeswehrkaserne in Bad Freienwalde im Oktober 1994 und auf die im Bau befindliche Abschiebehaftanstalt Grünau bei Berlin im April 1995.

Frankfurter Rundschau, 14. 6. 1995


24. 7. 1995
Brandanschläge in Berlin


Die „autonome“ Terroristengruppe „Klasse gegen Klasse“ verursacht mit Brand­anschlägen auf Gebäude und ein Geschäftsfahrzeug einer am Bau einer Jugendstrafanstalt beteiligten Firma erheblichen Sachschaden.

Verfassungsschutzbericht 1995, S. 56


August 1995
Anklage gegen Göttinger „Autonome“


Gegen harten politischen Widerstand ist es der Generalbundesanwaltschaft Celle jetzt gelungen, Anklage gegen 17 Angehörige der Göttinger Autonomen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung (§ 129 StGB) zu erheben. Justizministerin Alm-Merk (SPD) u. a. finden es unangemessen, mit dem „Knüppel des Paragraphen 129“ auszuholen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. 8. 1995


13. 8. 1995
Anschlag der „Roten Zora“


Die RZ-Frauenorganisation „Rote Zora“ verübt einen Sprengstoffanschlag gegen ein Gebäude einer Werft in Lemwerder bei Bremen, die u. a. Aufträge für die türkische Marine ausführt.

Verfassungsschutzbericht 1995, S. 41


17. 9. 1995
Sprengstoffanschlag der Antiimperialistischen Zellen (AIZ)auf CDU-Abgeordneten


Auf das Haus des verteidigungspolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Paul Breuer, in Siegen wird ein Sprengstoffanschlag verübt, bei dem niemand verletzt wird. Das in der Nähe des Hauses gefundene Bekennerschreiben lenkt den Verdacht auf die AIZ.

Süddeutsche Zeitung, München, 18. 9. 1995

25. 11. 1995
Krawalle in Berlin


Nach einer „Autonomen“-Demonstration unter dem Motto „Antifa heißt Angriff!“ kommt es zu Straßenkämpfen und zum Bau von Barrikaden. 17 Polizeibeamte werden verletzt.

Verfassungsschutzbericht 1995, S. 45


2. 12. 1995
Aufruf zu Anschlägen


Anläßlich einer bundesweiten Demonstration gegen die Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern in Kassel fordert eine „Aktion Zuflucht“ aus Marburg unverhüllt zu Anschlägen auf: „Ein Blick auf Weiterstadt genügt, um eine weitere Handlungsmöglichkeit aufzuzeigen. Nicht nur dort wurde und wird ein Abschiebeknast gebaut. Die beteiligten Firmen kann mensch auf der Bautafel nachlesen. Und Ausländerbehörden gibt es in vielen Städten.“

Verfassungsschutzbericht 1995, S. 53


4. 12. 1995
Brandanschläge in Berlin

Die „autonome“ Terroristengruppe „Klasse gegen Klasse“ zerstört durch Brand­anschläge in Berlin „vier hochwertige“ PKW.

Verfassungsschutzbericht 1995, S. 56



16. 12. 1995
Zeitschrift „radikal“


An einer Solidaritätsdemonstration für die konspirativ erscheinende Zeitschrift „radikal“, gegen deren Herausgeber und Verfasser wegen des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt wird, nehmen in Hamburg ca. 4.300 Personen teil. Es kommt zu erheblichen Ausschreitungen linksextremistischer Gewalttäter. Zu den Anmeldern der Demonstration gehört auch die Hamburger PDS.

Verfassungsschutzbericht 1995, S. 48, 62


23. 12. 1995
Sprengstoffanschlag auf Düsseldorfer Bürogebäude


Reste eines am Tatort gefundenen Bekennerschreibens deuten darauf hin, daß der Anschlag von der Terrorgruppe Antiimperialistische Zellen (AIZ) verübt wurde und dem Bauunternehmer Heitkamp galt, der peruanischer Honorarkonsul ist. Die AIZ bezichtigte sich des Anschlages am 27. Dezember. In ihrem Schreiben begründete die AIZ ihre Aktion damit, daß in Peru eine „Diktatur“ herrsche, die für die Mehrheit der Menschen „unerträglich“ sei. Bei dem Anschlag wurde niemand verletzt, der Sachschaden betrug 50.000 Mark.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. 12. 1995; 28. 12. 1995


Zusammengestellt von Hans-Helmuth Knütter und Alexander Helten

Abkürzungen der Literaturangaben
AL = Michael Bühnemann u. a. (Hg.): AL. Die Alternative Liste Berlin. Berlin 1984
APuZ = Aus Politik und Zeitgeschichte
Backes = Uwe Backes / Eckhard Jesse: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1996
BPA-Bulletin = Bulletin des Bundespresseamtes (Bonn)
Schlomann = Friedrich W. Schlomann: Die Maulwürfe. Berlin 1994