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Das Jahr 1998



14. 1. 1998
Krawalle in Köln


In der Nacht zum 14. 1. 1998 ziehen nach einer „Mahnwache“ gegen das Hochschulrahmengesetz 200 bis 300 Randalierer durch Köln, blockieren Bahngleise, stürmen ein Luxushotel, ein Polizist wird schwer verletzt. Organisiert werden die Krawalle vom AStA der erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln.

Zeit-Fragen (Zürich), Februar 1998, S. 13


5. 2. 1998
Informationsstelle Kurdistan durchsucht


Aufgrund eines Ermittlungsverfahrens nach § 129 a gegen einen Mitarbeiter der Informationsstelle Kurdistan werden die Räume der Bürogemeinschaft durchsucht, in der die Informationsstelle Kurdistan in Köln tätig ist. Auch der Rechtshilfeverein AZADI, der die Räume angemietet hat, wurde durchsucht. Zu weiteren Durchsuchungen und der vorübergehenden Festnahme einer Beschuldigten kam es in Hamburg.

Antifaschistische Nachrichten, 4/’98, S. 12


7. 2. 1998
Antifa in Passau


Der Bundeswahlkongreß der NPD in der Nibelungenhalle in Passau ruft „antifaschistische“ Demonstrationen hervor. Aufgerufen hat eine „Passauer Aktion Zivilcourage (PAZ)“, die von über 1.000 Passauer Bürgern unterstützt wurde. Die Antifaschisten greifen Busse an, die Gepäckfächer werden aufgerissen, Bierkästen auf der Straße zerschlagen. Nach eigenen Angaben beteiligen sich 2.500 Antifaschisten an der bundesweiten Demonstration der „Antifaschistischen Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO).“ Überwiegend Autonome, aber auch DKP, PDS und einzelne Gewerkschafter sind dabei. Die Polizei geht mit Schlagstockeinsätzen und Festnahmen gegen die Linksextremisten vor, 30 „Antifaschisten“ und 31 „Rechtsextremisten“ werden festgenommen.

Antifaschistische Nachrichten, 4/’98, S. 5


8. 2. 1998
Antifa-Krawalle in Magdeburg


Etwa 1.300 Linksextremisten kommen in Magdeburg zu einer Demonstration anläßlich des ersten Jahrestages des Todes von Frank Böttcher zusammen. Er war bei einer Messerstecherei zu Tode gekommen. 200 bis 300 Demonstrationsteilnehmer plündern eine Tankstelle, zerstören parkende Autos und zünden eines an.

Antifaz 70, März/April 1998, S. 17


24. 2. 1998
Letztes besetztes Haus in Berlin geräumt


Das letzte besetzte Haus in Berlin wird von der Polizei geräumt. Die Aktion verläuft ohne Zwischenfälle. Das Haus in der Ostberliner Pfarrstraße war 1990 zusammen mit etwa 130 weiteren besetzt worden. Damals strömten Westberliner Linksextremisten nach Ostberlin. In den letzten Jahren sind die besetzten Häuser teils durch Räumung, teils durch „Legalisierung“ ohne größeren Widerstand beseitigt worden. Bündnis 90/Die Grünen erklären, Berlin brauche wieder eine Wohnungsbaupolitik, die sozial ausgerichtet sei und nicht nur den „Besserverdienenden“ nütze.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. 2. 1998


25. 2. 1998
Anschläge auf die Bahn


Im Vorfeld eines Atommülltransports nach Ahaus in Nordrhein-Westfalen werden Hakenkrallen auf die Oberleitungen von Bahnstrecken geworfen. Da Anti-Castor-Flugblätter gefunden werden, werden Atomkraftgegner als Täter vermutet.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. 2. 1998


1. 3. 1998
Anschlag von Atomgegnern


Vier Wochen vor dem geplanten Atommülltransport ins westfälische Zwischenlager Ahaus wird auf die Mülheimer Herstellerfirma der Castor-Behälter ein Brandanschlag verübt. An die Außenfassade hatten die Täter die Parole „Atommafia angreifen“ gesprüht. Tags zuvor hatte Landtagsvizepräsidentin ­Kathrin Grüber (Grüne) zu Ahaus erklärt: „Wer sich auf die Schienen setzt, leistet zivilen Ungehorsam“ – er verdiene Respekt. SPD-Innenminister Franz-Josef Kniola hatte Bahnblockaden als Straftat qualifiziert. Allerdings hat er, ähnlich wie Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, die Castor-Transporte als „Provokation“ bezeichnet. CDU-Oppositionschef Helmut Linssen warf den Ministern daraufhin vor, Widerstand zu provozieren.

Welt am Sonntag, 1. 3. 1998


7. 3. 1998
Terror gegen „Republikaner“


Die hessischen Republikaner halten unter starkem Polizeischutz ihren Landesparteitag in Hanau ab, allerdings nicht in der vorgesehenen und gerichtlich erstrittenen Kulturhalle, sondern in einer Großsporthalle in einem benachbarten Stadtteil, den die Stadt als Ausweichquartier zur Verfügung stellen mußte, weil die Kulturhalle in der Nacht zuvor von rund 300 Besuchern einer Veranstaltung des „Bündnisses gegen den Rep-Parteitag“ durch Zerstörung, Stinkbomben und Buttersäure unbenutzbar gemacht worden war. In der Nacht nach dem Abzug aus der Kulturhalle wird auch das Wohnhaus des Hanauer Republikaner Orts- und stellvertretenden Landesvorsitzenden Bert-Rüdiger Förster angegriffen und beschädigt. Die Hanauer Oberbürgermeisterin Margret Härtel (CDU) sagte, daß die Veranstaltungen des Bündnisses nicht der richtige Weg seien, eine unerwünschte Partei wieder verschwinden zu lassen. Vielmehr müsse dies durch eine mittel- und langfristig angelegte Wirtschafts- und Stadtentwicklungspolitik erreicht werden. Dank des Bündnisses hätten die Republikaner nur eine unverdiente Publicity erreicht und Hanau habe als Stadt der Republikaner Schlagzeilen gemacht, was viel von dem Imagegewinn der zurückliegenden Monate zunichte gemacht habe.

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 8. 3. 1998, S. 9


8. 3. 1998
Anschläge von Atomkraftgegnern

Bei einer Protestaktion gegen den geplanten Atommülltransport vom bayerischen Atomkraftwerk Grund Remmingen in das Zwischenlager Ahaus werden 12 Atom­kraftgegner vorläufig festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, Steine vom Schotterbett eines Privatgleises des Kraftwerks genommen zu haben. Ferner werden die Personalien von 25 weiteren Atomkraftgegnern festgestellt. An der Kundgebung hatten 80 Personen teilgenommen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. 3. 1998


15. 3. 1998
Demonstration von Linksextremisten


In Saalfeld (Thüringen) treffen sich 2.500 Linke zu einem Protestzug „Gegen rechten Konsens“, dagegen demonstrieren 350 NPD-Angehörige. 83 linke und 52 rechte Demonstranten werden in Gewahrsam genommen. Aus der Demonstration „Gegen rechten Konsens“ werden Polizeibeamte mit Flaschen und Steinen angegriffen. Die Gewalttäter fühlen sich nach der Schilderung des Polizeisprechers durch die Anwesenheit von Anwohnern provoziert, die nach dem Eindruck der Linksextremen angeblich wie Rechtsextreme aussahen. In zwölf Bussen waren aus Berlin stammende Mitglieder des „Schwarzen Blocks“ angereist. Nachdem die Busse von der Polizei gestoppt werden, blockierten sie die Straße. Die Polizei wurde angegriffen. Die Sicherheitskräfte seien „überrannt“ worden. Die Polizisten hätten „in Notwehr“ den Schlagstock und das Reizgassprühgerät eingesetzt. Bevor die Linksextremisten Saalfeld erreichten, wurden 120 von ­ihnen in Gewahrsam genommen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. 3. 1998


15. 3. 1998
Linke Krawalle in Lübeck


Gegen eine Kundgebung des „Bündnisses rechts für Lübeck“ mobilisieren Linksextremisten. Gegen eine Wahlkundgebung des Bündnisses, an der 300 Personen teilnehmen, demonstrieren auf Veranlassung der örtlichen SPD und eines linksextremistischen Lübecker „Bündnisses gegen Rassismus“ etwa 800 Teilnehmer. Linksextremisten werfen Rauchbomben, Steine und Flaschen. Autos werden ­beschädigt, Straßenbarrikaden errichtet. Vier Polizeibeamte werden verletzt. 400 Personen werden in Unterbindungsgewahrsam genommen, gegen 15 Linksextremisten werden Strafanzeigen wegen Landfriedensbruchs erstattet. Der ­Lübecker Polizeidirektor Hüttmann beklagte „die Gewaltbereitschaft vor allem des linken Spektrums“.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. 3. 1998


20. 3. 1998
Weitere Krawalle um den Castor-Transport


An „weitgehend friedlichen“ Demonstrationen nehmen 2.500 Personen teil. 300 werden in Gewahrsam genommen. Ein Polizist verunglückt tödlich. Er wird von einem Autoreisezug erfaßt. Es sind insgesamt 30.000 Polizisten eingesetzt. Der Castor-Transport wird durch eine Sitzblockade von 50 Personen in der Nähe von Walheim bei Heilbronn gestoppt. Vier Personen hatten sich an die Gleise gekettet. Eine Bombendrohung erwies sich als Fehlalarm. Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Höhn (Bündnis 90/Die Grünen) besuchte eine Schienenblockade. Auch mehrere Bundestagsabgeordnete der Grünen waren anwesend. Mehrere hundert Demonstranten besetzen in der Nähe von Ahaus einen Schienenstrang. Die Blockade wird von der Polizei mit Wasserwerfern aufgelöst. Mehrere Personen hatten sich an die Gleise gekettet. Ungefähr 200 Demonstranten kesseln auf der Bahnhofstraße bei Ahaus einen Konvoi mit vier Gefängnisbussen der Polizei ein. 170 Personen wurden wegen Mißachtung des Demonstrationsverbotes an den Schienen oder Widerstands gegen die Staatsgewalt in Gewahrsam genommen. Kanzleramtsminister Bohl (CDU) nennt die Ausschreitungen gegen die Castor-Transporte als Herausforderung des Rechtsstaates. Das Verhalten von SPD und Grünen könne als Test dafür gelten, ob diese Parteien die Sicherheit des Standortes Deutschland gewährleisten könnten.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. 3. 1998


20. 4. 1998
RAF löst sich auf


Bei der Nachrichtenagentur Reuters geht ein achtseitiger Brief ein, in dem die Rote-Armee-Fraktion sich nach 28 Jahren für aufgelöst erklärt. In Kreisen des Bundeskriminalamtes wird die Erklärung für echt gehalten. Als Entstehungsdatum der RAF gilt der 14. 5. 1970, als eine Gruppe um Ulrike Meinhof den Kaufhausbrandstifter Andreas Baader gewaltsam in Berlin befreite.

General-Anzeiger, Bonn, 21. 4. 1998; Frankfurter Allgemeine Zeitung, ­Jahreschronik 1998


22. 4. 1998
Reaktionen auf die RAF-Auflösung


Generalbundesanwalt Nehm wendet sich gegen Strafrechtsänderungen als Reaktion auf die Selbstauflösung der RAF. Die zur RAF-Verfolgung geschaffenen Strafvorschriften seien auch für die Verfolgung anderer Tätergruppen wie der kurdischen PKK oder der türkischen linksextremistischen „DEV SOL“ nötig. Der frühere Bundeskanzler Schmidt, die Grüne-Bundestagsvizepräsidentin Vollmer und Hessens Justizminister von Plottnitz (Bündnis 90/Die Grünen) lehnen ebenfalls eine Amnestie ab, sprechen sich aber für die Abschaffung der Antiterrorgesetze aus.
Der CDU-Innenpolitiker Marschewski wirft den Grünen in der „Westdeutschen Zeitung“ vor, sie wollten ein „Paradies für Terroristen und Verbrecher“ schaffen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. 4. 1998


1. 5. 1998
Straßenschlachten am 1. Mai


In Berlin kommt es im Bezirk Prenzlauer Berg zu gewalttätigen Krawallen sogenannter „Autonomer“. Es beteiligen sich etwa 4.000 Gewalttäter. Polizei und Grenzschutz müssen mehrfach den Rückzug antreten. Es werden 17 Polizisten verletzt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Jahreschronik 1998


1. 5. 1998
Krawalle in Leipzig


Auch in Leipzig kommt es zu Straßenschlachten zwischen Linksextremisten und der Polizei. Die Schäden gehen in die Hunderttausende. Straßen, Fußwege, Verkehrszeichen, Müllcontainer und Grünanlagen wurden nach Aussage des Beigeordneten der Stadt Leipzig für Umwelt und Ordnung demoliert. Zahlreiche Autos und Vorgärten seien beschädigt worden.

General-Anzeiger, Bonn, 5. 5. 1998


4. 5. 1998
Kritik am Berliner Polizeieinsatz am 1. Mai


Von verschiedener Seite wird die Polizeiführung kritisiert. Am Abend des 1. Mai waren Polizisten im Prenzlauer Berg mit Pflastersteinen und Flaschen angegriffen und zwei Läden geplündert worden. Die Polizisten hatten den Gewalttätern für „mehrere Minuten“ das Feld überlassen müssen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei kritisiert, die Kräfte seien zu schwach gewesen, um Straftaten zu verhindern, und hätten sich fast zwei Stunden lang nur selbst verteidigen können. Nach Erkenntnissen der Gewerkschaft der Polizei wurden über 100 Polizisten verletzt, während der Senator für Inneres nur von 17 verletzten Beamten gesprochen hat.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. 5. 1998


12. 5. 1998
Polizeiaktion gegen Linksextremisten


Polizei und Staatsschutz durchsuchen bundesweit 35 Wohnungen, Treffpunkte und Buchläden der Linken. Im Mittelpunkt der Aktion steht die Antifa Passau. Aufgrund von Paragraph 129 StGB wird gegen die kriminelle Vereinigung, die sich seit 1993 innerhalb der Antifa Passau gebildet habe, ermittelt.

Graswurzelrevolution, Sommer 1998, Nummer 230, S. 2


3. 6. 1998
RAF-Umfeld aktiv


Etwa 15 Personen erscheinen vor der Haftanstalt Frankenthal und schießen Leuchtmunition über die Mauer. Anlaß ist der 50ste Geburtstag des dort einsitzenden RAF-Terroristen Rolf Heissler. Die Polizei faßt 6 Täter, darunter die 1992 aus der Haft entlassene RAF-Terroristin Christa Eckes.

Focus, 36/1998, S. 44


10. 6. 1998
Linksextreme Störungen von Bundeswehrgelöbnissen


Die Bundeswehr veranstaltet zum zweiten Male in Berlin, aber zum ersten Male im Ostteil der Stadt, ein öffentliches Gelöbnis. Zur Sicherung werden bürgerkriegsähnliche Maßnahmen ergriffen. Straßen werden abgesperrt, Räumpanzer und Wasserwerfer bereitgehalten. Ungefähr 1.000 Linksextremisten versuchen, die Veranstaltung durch Gebrüll und Pfeifen zu stören. Grüne Politiker, PDS-Funktionäre, Jusos, Jürgen Trittin (Grüne) und Gregor Gysi (PDS) befinden sich unter den Krawallmachern.
Die Linksextremisten hatten versucht, durch Gerichtsbeschluß näher an die Veranstaltung herangelassen zu werden. Das Oberverwaltungsgericht hatte entschieden, daß die Bundeswehr den in der Öffentlichkeit geführten politischen Meinungskampf ertragen müsse. Das gelte allerdings nur so lange, wie hierdurch nicht der Ablauf der Veranstaltung konkret beeinträchtigt werde. Die Bundeswehr müsse hinnehmen, daß die von ihr angestrebte Würde und Feierlichkeit der Veranstaltung unter gewissen Beeinträchtigungen leide. Bereits 1996 hatte vor dem Schloß Charlottenburg ein öffentliches Gelöbnis stattgefunden. Diese Veranstaltung war durch Linksextremisten stark gestört worden. Dieses Mal ist die Sperrzone so weit ausgedehnt worden, daß die Linksextremisten weiträumig ausgesperrt blieben. Dafür war das „öffentliche Gelöbnis“ nicht mehr öffentlich.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 6. 1998


17. 6. 1998
Krawalle und Sachbeschädigungen durch Atomkraftgegner


Am 17. Juni wird bekannt, daß es bereits Anfang Juni in Gorleben schwere Krawalle gegeben hat. Dort besetzten mehr als 50 Atomkraftgegner das Informationszentrum der Brennelementlagergesellschaft Gorleben. Sie richten Schäden in Höhe von 250.000 Mark an. Die Räume werden verwüstet, hochwertige elektronische Geräte, Ausstellungsstücke und Getränke werden gestohlen. Die örtliche Polizei hatte den Ereignissen tatenlos zugeschaut. Anträge des Eigentümers um Räumung des Gebäudes waren auf taube Ohren gestoßen. Die örtliche Polizei teilt mit, daß sie mit ihren 12 Beamten nichts gegen die Übermacht der Besetzer ausrichten könne. Eine Feststellung der Personalien findet nicht statt. Die Anführer sind den Polizisten ohnehin bekannt. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt wegen Hausfriedensbruchs, Nötigung, Sachbeschädigung und Diebstahls. Der Innenminister von Niedersachsen, Glogowski, der verspätet von den Ereignissen erfährt, erklärt, es dürfe in Deutschland keine rechtsfreien Räume geben.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. 6. 1998


1. 7. 1998
Untersuchungsausschuß über linksextremistische Übergriffe
in Niedersachsen


Der niedersächsische Landtag setzt auf Antrag der CDU-Fraktion einen Untersuchungsausschuß ein, der die Besetzung eines Gebäudes in Gorleben aufklären soll. Dort hatten etwa 80 Atomkraftgegner am 5. und 6. Juni das Informationszentrum der Brennelementlagergesellschaft Gorleben besetzt und einen Schaden von etwa 250.000 Mark angerichtet. Die Polizei habe 26 Stunden nicht eingegriffen und Straftaten wie Raub, Hausfriedensbruch, Plünderung und Nötigung geduldet. Die SPD-Fraktion enthielt sich geschlossen der Stimme, die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen stimmte gegen die Einsetzung des Ausschusses.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. 7. 1998


25./26. 9. 1998
Linksextreme Krawalle in Passau und Cottbus


In Cottbus kommt es am 25. 9. zu Zusammenstößen zwischen 150 linksextremen und 50 rechten Demonstranten nach einer Party gegen „Rechts“. In Passau demonstrieren 1.200 Personen gegen eine DVU-Veranstaltung, zu der 3.000 Teilnehmer gekommen waren. 15 Krawalltäter aus dem linksextremen Spektrum werden festgenommen. Gegen fünf Linksextremisten wird Haftbefehl erlassen. Zum Protest hatten mehrere Organisationen, darunter auch der DGB, aufgerufen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. 9. 1998


24. 10. 1998
Linke Krawalle gegen die NPD


In Bonn veranstaltet die NPD eine Kundgebung gegen die Wehrmachtsausstellung. An der NPD-Kundgebung nahmen rund 1.000 Personen teil, 2.000 Polizisten waren eingesetzt, 600 Linksextremisten, laut Angabe der Polizei zur Hälfte gewaltbereite, veranstalten gewalttätige Krawalle. 200 Linksextremisten werden von der Polizei mehrere Stunden lang festgehalten. 65 werden festgenommen, es gibt 15 Verletzte. Mehrere Grüne-Politiker, darunter der Landesminister Vesper und der Fraktionssprecher der Grünen im Landtag, Roland Appel, mischen sich zugunsten der Gewalttäter ein und erreichen, daß diese ohne Feststellung der Personalien freigelassen werden.

General-Anzeiger, Bonn, 26. 10. 1998


31. 10. 1998
Bonner Polizei fahndet nach Linksextremisten


Sechs Tage nach den linksextremistischen Ausschreitungen am Rande der NPD-Demonstration fahndet die Polizei nach „linksautonomen Gewalttätern“, die drei Jugendliche am 24. 10. schwer verletzt hatten. Ein 16jähriger war von acht bis zehn vermummten „Linksextremisten“ mit einem Schotterstein am Kopf verletzt worden. Zehn Linksextremisten haben vier Jugendliche angegriffen, einem wird mit einem Pflasterstein ins Gesicht geschlagen. Die Linksextremisten rauben sein Handy und verletzten einen 19jährigen mit einer Flasche am Kopf. Ein anderer erleidet einen Jochbeinbruch und einen Riß in der Schädeldecke.

General-Anzeiger, Bonn, 31. 10./1. 11. 1998


7. 11. 1998
CDU erstattet Anzeige gegen Grünen-Politiker


Die Bonner Landtagsabgeordneten Ruth Hieronymi und van Schewick erstatten Strafanzeige wegen Nötigung und Strafvereitelung gegen Politiker von Bünd­nis 90/Die Grünen. Diese haben am 24. Oktober anläßlich linksextremer Krawalle gegen eine NPD-Kundgebung die Freilassung von Festgenommenen erreicht.

General-Anzeiger, Bonn, 7./8. 11. 1998


16. 11. 1998
Monika Haas verurteilt


Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main verurteilt Monika Haas (49) zu fünf Jahren Freiheitsstrafe wegen Beihilfe bei der Entführung der Lufthansamaschine Landshut im Oktober 1977. Ihr wird der Transport von Waffen und Sprengstoff für vier palästinensische Terroristen von Algier nach Mallorca vorgeworfen. Damit habe sie Voraussetzungen für die Flugzeugentführung geschaffen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Jahreschronik 1998


25. 11. 1998
Zwischenbericht des Verfassungsschutzes NRW


Im Zusammenhang mit den Castor-Transporten nach Ahaus im März 1997 sind 153 Straftaten gemeldet worden, vor allem Sachbeschädigungen und Eingriffe in den Bahnverkehr. Während die Anzahl der rechtsextremistischen Straftaten zurückgegangen ist, hat sich die Zahl der linksextremistischen Straftaten von 142 auf 292 Fälle mehr als verdoppelt. Darunter sind die 153 Castor-Fälle. Im Bereich des Linksextremismus wurden 337 Strafverfahren neu eingeleitet, 78 Personen wurden verurteilt. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden gegen Rechtsextremisten 1395 Verfahren eingeleitet, verurteilt wurden 161 Angeklagte.

Zwischenbericht des Verfassungsschutzes NRW


20. 12. 1998
Linksextreme Krawalle bei NPD-Aufmarsch


In Hannover findet eine Demonstration von 150 NPD-Anhängern statt, die von mehreren hundert linken Gewalttätern angegriffen wird. 2.500 Polizisten sind im Einsatz. 30 Linksextremisten werden festgenommen, 168 kommen „in Gewahrsam“. 3 Polizisten und 11 Demonstranten werden verletzt. Die NPD-Demonstration richtete sich gegen die Wehrmachtsausstellung. Gegen Linksextremisten werden Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Gleichzeitig findet eine Gegendemonstration von 2.500 Teilnehmern auf Veranlassung des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Grünen und anderer linker Organisationen
statt. Der Aufmarsch der NPD war zunächst verboten worden, das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hatte das Verbot wieder aufgehoben. Der DGB-Kreisvorsitzende Christensen kritisiert die Aufhebung des Verbotes. Die NPD könne sich nicht auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit berufen, da sie dieses Grundrecht massiv bekämpfe.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. 12. 1998


Zusammengestellt von Hans-Helmuth Knütter und Alexander Helten

Abkürzungen der Literaturangaben
AL = Michael Bühnemann u. a. (Hg.): AL. Die Alternative Liste Berlin. Berlin 1984
APuZ = Aus Politik und Zeitgeschichte
Backes = Uwe Backes / Eckhard Jesse: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1996
BPA-Bulletin = Bulletin des Bundespresseamtes (Bonn)
Schlomann = Friedrich W. Schlomann: Die Maulwürfe. Berlin 1994