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Analysen

Die (relative) Natürlichkeit der Nation - Betrachtung am Beispiel Japan

Josef Schüßlburner
Die (relative) Natürlichkeit der Nation: Erfolg einer politisch rechten Option - Betrachtung am Beispiel Japan


Der Beitrag zeigt auf, daß entgegen der linken Weltsicht, die insbesondere in der „Bundesrepublik“ (Deutschland) im Interesse der „Europäisierung“ und des „Gewaltmonopols der UNO“ (also der Vetomacht USA) auch von der zunehmend nach links vermittelnden „Mitte“ gepflegt wird, die Nationalstaatskonzeption und damit auch der Nationalismus doch etwas relativ Natürliches darstellt. „Eingebildet“, „erfunden“ und „konstruiert“ im Sinne der linken, natürlich auf den Höchstwert der Menschenwürde ausgerichteten Nationalismuskritik sind da eher die linken Alternativprojekte wie „Europa“, NATO und UNO (sofern man sie als Alternativprojekte ansieht, was aber insbesondere bei BRD-Ideologen der Fall ist), deren Verwirklichung erheblich mehr kostet als politische Reformen im Rahmen eines historisch weitgehend vorgefundenen Nationalstaates oder zumindest Volkes. Außerdem fehlt es auch beim Artefaktprojekt „Europa“ nicht an mythologischen Bezugnahmen wie auf Kaiser Karl (Karlspreise von Aachen), ja Europa selbst ist eine mythologische Figur, nämlich eine vorderasiatische Prinzessin, die ein Gott in Stiergestalt entführt hat!


Die These von der gegenüber Konstruktionen wie „Europa“ größeren Natürlichkeit und dem damit verbundenen größeren Wirklichkeitsgehalt wird an einem außereuropäischen Beispiel, nämlich Japan aufgezeigt. Es wird dabei dargelegt, daß sich die sogenannte „Restauration“ der Kaiserherrschaft, die von der Linkspolitologie als „künstlich“ befunden und damit als „erfunden“ eingestuft wird, sich aus der Logik der japanischen Geschichte zur Modernisierung als nahe liegende politische Option angeboten hat, die dann auch erfolgreich durchgezogen wurde.


Die Durchsetzung dieser Option war allerdings alles andere als selbstverständlich (was aber nichts unnatürliches darstellt, weil sonst jede politische Option als „eingebildet“ abgetan werden müßte), sondern mußte unter erheblichen Risiken gegenüber denkbaren anderen Entwicklungen erfolgen, die aller Wahrscheinlichkeit jedoch nachteilig gewesen wären und Japan auf den Stand eines Entwicklungslandes gehalten hätten, wie es bislang das Schicksal zahlreicher anderer nicht-europäischer, ja auch europäischer Gebiete (im weiteren Sinne wie Südamerika) dargestellt hat. Die Modernisierung, also die Errichtung einer Industriegesellschaft, die Japan als erster nicht-europäischer Nation gelang, konnte nur unter der Hegemonie der politischen Rechten umgesetzt werden, während etwa die in China und auch in anderen unterentwickelten Ländern maßgebliche politische Linke nach der Methode von tabula-rasa vorging, die im Wahnsinn des Maoismus gipfelte. Dieser Maoismus beruhte auf derselben ideologischen Prämisse - China im Sinne von Mao als „unbeschriebenes Blatt“ - wie diejenige der deutschen Anti-Nationalisten / Wertegemeinschaftler, welche die Nation deshalb als „Artefakt“ und „erfunden“ im Sinne eines „Priesterbetrugs“ glauben entlarven zu müssen, weil dies dann beliebige linke Gesellschaftsprojekte wie das linke Umverteilungs-Europa, Ersetzung von Deutschen durch Grundgesetzmenschen („Menschenrechte statt rechte Menschen“) als machbar erscheinen läßt.

Die Tatsache, daß der Durchbruch zur Moderne in Japan unter der politisch-ideologischen Hegemonie der politischen Rechten bewerkstelligt wurde, erklärt die entfernte Ähnlichkeit mit der Entwicklung Deutschlands im 19. Jahrhundert mit Auswirkungen auf das 20. Jahrhundert. Ein Zusammenhang ergibt sich aus der Tatsache, daß die in Japan am 11.02.1889 in Kraft gesetzte Meiji-Verfassung, die in Japan den fortschrittlichen Nationalstaat errichtet hat und deren Entstehungsbedingungen im Beitrag eine Rolle spielen, sich als Rezeption der Verfassung des Königreichs Preußen von 1850 darstellt (s. dazu im Einzelnen: Takii Kazuhiro, The Meji Constitution, The Japanese Experience of the West and the Shaping of the Modern State, Tokio 2007).


Der Verfasser hat zu diesem gewissermaßen „preußischen Entwicklungsweg“ Japans schon vor 25 Jahren publiziert (s. Übersetzung ins Französische eines 1993 erschienenen Artikels in der seinerzeit maßgeblichen konservativen Zeitschrift Criticòn):


http://euro-synergies.hautetfort.com/archive/2010/06/07/le-japon-le-succes-d-une-voie-prussienne.html


Zusammengefaßt macht die linke Nationalismuskritik lediglich den artifiziellen Charakter der Linksideologie deutlich, den diese selbst nicht als solchen erkennen will, steht sie doch für „Werte“, die Konstruktionen ermöglicht, die plötzlich nicht eingebildet sind, wie die „Kulturrevolution“ in der linken Volksrepublik China in der Tat sehr real gezeigt hat. Diese Kritik trifft dann auch noch auf andere Wertekonstruktionen wie das artifizielle „Europa“ oder die bundesdeutsche „Wertegemeinschaft“ zu, die bei aller Menschenwürde „rechte Menschen“ durch „Menschenrechte“ ersetzen will.



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