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Analysen

Sozialismusbewältigung Teil 3

Josef Schüßlburner

Sozialismusbewältigung

3. Teil: Zur Bewältigungsbedürftigkeit der Sozialdemokratie


Die SPD ist die „streitbare und unbeugsame Stimme der Demokratie“, so die CDU-Kanzlerin. Es verwundert dann nicht, warum neben Linksextremisten (die dann ob ihrer Verdienste in Bewältigungssachen keine sind) insbesondere Sozialdemokraten die „Bewältigung“ als zivilgesellschaftlich-staatsreligiöse Veranstaltung ersichtlich Spaß macht: Sie versprechen sich davon einen moralischen Vorteil gegenüber konkurrierenden Organisationen, verkörpert doch ihre Partei das eigentlich Demokratische in Deutschland und damit das Gute und Schöne, während für die insgesamt als bewältigungsbedürftig angesehene „deutsche Vergangenheit“ eigentlich nur andere (im Zweifel unter Einschluß der CDU der Kanzlerin) verantwortlich sind. Die wohl unbestreitbare Tatsache, daß der im 20. Jahrhundert äußerst verhängnisvolle Kommunismus in der klassischen Sozialdemokratie des 19. Jahrhunderts, deren Zentrum die entsprechende Partei in Deutschland war, ausgebrütet wurde, scheint dabei überhaupt nicht als bewältigungsbedürftig betrachtet zu werden. Und dies, obwohl schon im 19. Jahrhundert von Gegnern der klassischen SPD wie dem Linksliberalen Eugen Richter, aber auch von dessen konservativen Gegner Otto v. Bismarck schlüssig als Verwirklichungsmöglichkeit zeitgenössischer sozialdemokratischer Ideologie eine (gesamtdeutsche) „DDR“, also das „allgemeine sozialistische Zuchthaus“ vorausgesagt worden war.

Stellt man die Frage, ob sich der sicherlich - und wohl ausschließlich, da er wohl schon von Arminius vertreten worden war - als bewältigungsbedürftig anzusehende Nationalsozialismus, also die „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“, vielleicht doch nicht ganz zufällig selbst so genannt, d.h. sich dementsprechend der sozialistischen Ideenströmung zugeordnet hat, die ihre organisatorische, politische und ideologische Konkretisierung mit der am  23. Mai 1863 als „Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein“ (ADAV) gegründeten und vorübergehend als „Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands“ firmierenden SPD erhalten hat, dann wird von sozialdemokratischer Seite wie folgt entgegnet: „Für die SPD gehören auch die Meinungen, ´die nicht davor zurückschrecken, den Sozialismus in die Nähe des Nationalsozialismus zu rücken´ zur Grauzone demokratiebedrohender Mentalitäten“ (Hubo). Dies bedeutet, daß es „demokratisch“ ist, den Nationalsozialismus dem deutschen Konservativismus, (National-) Liberalismus oder gar dem politischen „Klerikalismus“ (Zentrum) zuzurechnen.

Vorliegend wird allerdings die dann aus SPD-Sicht als „demokratiebedrohend“ einzustufende These vertreten, daß gerade diejenigen Elemente, welche dem Nationalsozialismus völlig zu recht vorgeworfen werden müssen, der traditionellen sozialistischen Ideenströmung entnommen sind und sich dabei in der spezifischen Weise kaum, zumindest bei weitem weniger, auf liberale, konservative oder christdemokratische Vorbilder zurückführen lassen. Damit sind gemeint die Kriegswirtschaftskonzeption, die demokratisch vermittelte Führerdiktatur, die sozialistische Kriegsbereitschaft (Kehrseite der Revolutionsbereitschaft), die rassenhygienische Menschenveredelung von Staatswegen (Eugenik) und der spezifische radikale Antisemitismus.

Selbstverständlich erfolgt bei Aufzeigen entsprechender ideologischer Zusammenhänge und Übergänge keine Gleichsetzung von Sozialdemokratie und Nationalsozialismus (anders als bei linken Darstellungen über das Verhältnis Konservativismus / Nationalsozialismus, wo dann in der Tat nicht davor zurückgeschreckt wird, den Konservativismus als so etwas wie „Nationalsozialismus minus Völkermord“ auszumachen). Es soll mit dem Beitrag nur zum Ausdruck gebracht werden, daß die sozialistische Ideenströmung bei der üblichen „Bewältigung“, die mittlerweile die bundesdeutsche Zivilreligion mit Staatsliturgien kreiert hat, viel zu gut wegkommt. Vielleicht kann diese Erkenntnis, sollte sie akzeptiert werden, dazu beitragen, daß die „Bewältigung“ in Zukunft weniger Spaß macht. Statt der Pflege der Staatsreligion, welche die „Vergangenheit bewältigen“ will (was in der Tat nur religiös möglich sein dürfte), könnte man sich dann den sich in der Gegenwart stellenden Problemen zuwenden, die im Interesse der Bewältigung der Zukunft (was immerhin in einem gewissen Ausmaß menschenmöglich sein sollte) politisch gelöst werden müßten, wie etwa die Verringerung der Staatsverschuldung, die ja wesentlich Ergebnis „gemäßigter“ sozialdemokratischer und linker Politik ist. 

Der vorliegende Beitragstellt eine Ergänzung zum Werk des Verfassers dar:

Josef Schüßlburner, Roter, Brauner und Grüner Sozialismus. Bewältigung ideologischer Übergänge von SPD bis NSDAP und darüber hinaus, 2008 Lichtschlag Medien und Werbung KG

ISBN-10: 3939562254
ISBN-13: 978-3939562252

Dieses Buch ist im März 2015 in unveränderter 3. Auflage wieder erschienen und nunmehr auch in einer Kindle-Edition für 6,99 € erhältlich.


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