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Das Jahr 1992



1992
Linksextreme Gewalttaten


Nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist die Zahl der Gewalttaten, bei denen ein linksextremistischer Hintergrund naheliegt oder erwiesen ist, auf 835 Gewalttaten (1991: 797) angestiegen. Bei Anschlägen und Straßenkrawallen entstand ein Sachschaden von mehreren Millionen DM.

JW-Informationsdienst, 9/0205, Nr. XXXIV/5-6 – 15. 2. 1993


1992
Revolutionäre Zellen (RZ)/Rote Zora (Frauenorganisation)


Die RZ verüben 1992 keine terroristischen Anschläge. Ein Anschlag geht auf das Konto von Nachahmern. In linksextremistischen Szeneblättern setzen mehrere Gruppen der RZ ihre internen Streitigkeiten über die künftige Ausrichtung ihrer „Politik“ öffentlich fort. Als Folge dieser erfolglos geführten Kontoverse sowie des Zersetzungsprozesses der linken Szene und des Scheiterns des „Realen Sozialismus“ ist die Auflösungserklärung einer dieser Gruppen in der Zeitschrift „KONKRET“ zu sehen. Auch führen sie die Unfähigkeit, die Gruppen der RZ auf eine gemeinsame Stoßrichtung zu einigen, an. Symbolisch wird dabei auf den Versuch der Ingangsetzung einer breiten antirassistischen und internationalistischen Kampagne verwiesen, die an dem Widerstand aus den eigenen Reihen scheitert. Des weiteren gelingt es nicht, einen politischen Konsens mit der Frauengruppe Rote Zora zu finden.

Verfassungsschutzbericht 1992


1. 1. 1992
Krawalle in Kreuzberg

In Berlin kommt es in der Neujahrsnacht zu gewaltsamen Ausschreitungen von linksradikalen „Autonomen“ sowie von ausländischen Jugendlichen. Etwa 200 linksradikale Randalierer greifen in Kreuzberg Polizeibeamte mit Steinen und Feuerwerkskörpern an und versuchen, Straßenbarrikaden aus brennenden Möbeln zu errichten. 22 Personen werden vorübergehend festgenommen; 14 Beamte werden verletzt.

Frankfurter Allgemeine, 2. 1. 1992


26. 1. 1992
Ausschreitungen bei einer Versammlung der Jungen Nationaldemokraten


Anläßlich einer Versammlung der Jungen Nationaldemokraten kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Rechtsextremen und Antifaschisten.

Rheinischer Merkur, 21. 2. 1992


März 1992
Verbreitung von Ziel-Listen


In der antifaschistischen Szene wird eine der typischen Ziel-Listen mit 27 Namen von rechtsextremen Aktivisten verbreitet, die auch Namen, Privatadresse und Firmenadresse des später ermordeten rechtsextremen Aktivisten der „Deutschen Liga für Volk und Heimat“ Gerhard Kaindl aufführt (vgl. 4. 4. 1992).

Rheinischer Merkur, 7. 8. 1992


März/April 1992
Treffen von Berliner Gruppen und Jugendgangs


In Berlin treffen sich Gruppen wie „Antifasist Genclik“, „Fighters“, „Black Panthers“, „Bar baren“, „Bulldogs“, „Türkische Warriors“, „36 Boys“, „Sioux“, „Yildizlar“ und rufen zu gemeinsamem Widerstand auf: „Denen, die uns mit Terror, Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und Unterdrückung psychologisch vernichten wollen, werden wir gemeinsam in der einzigen Sprache antworten, die sie verstehen. Daß wir nicht mehr schweigen, sondern handeln, werden wir unseren Freunden und Feinden zeigen.“

Hannoversche Allgemeine, 5. 8. 1992


4. 4. 1992
Mord an Gerhard Kaindl, Aktivist der „Deutschen Liga für Volk und Heimat“


Auf einem Treffen der Berliner rechten Szene wird Gerhard Kaindl durch Messerstiche tödlich und ein Gesinnungsgenosse schwer verletzt. Im Anschluß an diese Tat kursieren in der linksextremen Szene „Überlegungen zur Tötung eines Faschisten in Berlin“. Eine Berliner Zelle stuft die „Möglichkeit der Tötung eines Faschisten“ bei einer „direkten Konfrontation“ als „tragbares Risiko“ ein.

Rheinischer Merkur, 15. 1. 1993


10. 4. 1992
Bedingter Gewaltverzicht der RAF


Die terroristische Rote-Armee-Fraktion (RAF) verkündet eine bedingte Einstellung von „gezielt tödlichen Aktionen“ gegen „Spitzen aus Staat und Wirtschaft“.

Hannoversche Allgemeine, 5. 8. 1992


26. 4. 1992
„Beschlagnahmungsaktion“ von Linksextremisten


In Cottbus führt die „Antifaschistische Aktionsgruppe Tamara Bunke“ eine „Beschlagnahmungsaktion“ von Unterlagen und Akten rechtsextremistischer Aktivisten durch und zieht das Fazit: „Die Faschisten sind angreifbar, wenn wir das wollen.“

Rheinischer Merkur, 7. 8. 1992


1. 5. 1992
Ausschreitungen von Linksextremisten in Berlin


Bei Ausschreitungen am „revolutionären 1. Mai“ greifen Linksextremisten die Polizei an, legen Brände, demolieren Autos und Gebäude, plündern Geschäfte und Wohnungen. 104 Polizeibeamte werden dabei verletzt.

CDU /CSU-Fraktion-Pressedienst, 23. 11. 1992


Ende Juni 1992
Sprengsätze vor Büros von Neonazis


Die Polizei entschärft Sprengsätze vor den Büros des Neonazis Ewald Althans und des Verlegers Alfred Detscher. Zu den fehlgegangenen Anschlägen bekennen sich die „Revolutionären Zellen“.

Der Spiegel, 30. 11. 1992


29. 6. 1992
HSFK plädiert dafür, antifaschistische Gruppen nicht zu unterstützen


Die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) plädiert in der Auseinandersetzung mit Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus dafür, „keine antifaschistischen Gruppen und Aktionen (zu) unterstützen“. Diese trügen „Aggressionen und Ängste in der gleichen stereotypen Form aus“ wie die äußersten Rechten. Ein solches Verhalten führe nur zur Polarisierung.

Frankfurter Rundschau, 30. 6. 1992


August 1992
Studie des Bundeskriminalamtes


Eine Aufstellung des Bundeskriminalamtes zählt von Januar bis Juli 1992 99 von den Ländern gemeldete Rechts/Links-Zusammenstöße – Sprengstoffanschläge, Brandanschläge, gewalttätig verlaufene Veranstaltungen und tätliche Angriffe. Im gesamten Vorjahr wurden nur 75 Ereignisse gemeldet.

Rheinischer Merkur, 7. 8. 1992


13. 8. 1992
Erklärung des Bundesinnenministers Rudolf Seiters zum Verfassungsschutzbericht 1991


Die Mitgliederzahl linksextremistischer Kernorganisationen (29.500) ist 1991 erstmals unter die der rechtsextremistischen Organisationen (32.300) gesunken. Die Zahl der Linksextremisten ging weiter auf 26.500 zurück, die der Mitglieder linksextremistisch beeinflußter Organisationen fiel von 20.000 auf 15.000. Die Zahl linksextremistischer Gewalttaten stieg von 589 auf 797.

BPA-Bulletin


November 1992
Antifa stürmt Voraufführung eines Films


Kurz vor Ende einer Voraufführung des Dokumentarfilms „Stau – Jetzt geht’s los“, ein Film über sechs Skinheads, stürmen „Autonome Antifaschisten“ das Kino. Das Ergebnis des Sturms sind mehrere Verletzte, ein verwüstetes Café und brennende Autos. Die Premiere des Films in einem Berliner Ensemble wird vorläufig abgesagt, nachdem „autonome“ Antifa-Gruppen den „aktiven Boykott“ angekündigt haben. Erst nach der Stellungnahme einer anderen Antifa-Gruppe, die auf die jüdisch-kommunistische Herkunft des Regisseurs hinweist, kann die Film­premiere durchgeführt werden. Die Antifa-Gruppen, die den Film nicht gesehen hatten, beriefen sich auf die Devise: „Kein Rederecht, kein Organisationsrecht, keine Propagandafreiheit für Faschisten!“

Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 11. 12. 1992


November 1992
Linksextremistische Krawalle bei Großdemonstration in Berlin


Eine Großdemonstration gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit in Berlin wird von linksextremistischen Krawallen überschattet. Bundespräsident von Weizsäcker und Bundeskanzler Kohl werden dabei von einigen Randalierern mit Eiern, Farbbeuteln und Steinen beworfen.

JW-Informationsdienst, 1/1209, Nr. XXXIII/39-40 – 18. 11. 1992


November 1992
Überfall auf Skinhead-Diskothek


40 Jugendliche aus der Punkszene überfallen eine vorwiegend von Skinheads besuchte Diskothek in Lübz (Mecklenburg). Dabei werden neun Personen verletzt. Nach Polizeiangaben schlugen die Täter wahllos mit Baseballschlägern und Eisenketten auf die Gäste ein und versprühten Reizgas.

Frankfurter Rundschau, 9. 11. 1992


21. 11. 1992
Brandanschlag auf die Universität Hamburg


Auf die Universität Hamburg wird ein Brandanschlag verübt, bei dem 240 Liter Benzin ausgekippt und entflammt wurden. Es entsteht erheblicher Sachschaden. Das Selbstbezichtigungsschreiben nimmt starken Bezug auf frühere RAF-Schriften der ersten Generation. Die Erklärung schließt mit der Parole „Den BRD-,Rechts‘-Staat angreifen!“ und dem RAF-Slogan „Zusammen kämpfen“.

JW-Informationsdienst, 9/0206, Nr. XXXIV – 15. 4. 1993


27. 11. 1992
„Autonomer“ von Polizistin angeschossen


Als die Polizei zwei randalierende „Autonome“ festnimmt und ihre Freunde sie befreien wollen, schießt eine Polizistin einen „Warnschuß“ in den Bauch des 17jährigen Daniel H. Es folgen schwere Ausschreitungen zwischen etwa 100 jugendlichen „linken“ Randalierern und der Polizei.

Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 11. 12. 1992



Zusammengestellt von Hans-Helmuth Knütter und Alexander Helten

Abkürzungen der Literaturangaben
AL = Michael Bühnemann u. a. (Hg.): AL. Die Alternative Liste Berlin. Berlin 1984
APuZ = Aus Politik und Zeitgeschichte
Backes = Uwe Backes / Eckhard Jesse: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1996
BPA-Bulletin = Bulletin des Bundespresseamtes (Bonn)
Schlomann = Friedrich W. Schlomann: Die Maulwürfe. Berlin 1994