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Analysen

„Brüder, das Sterben verlacht…“- Gnostischer Mythos als Gemeinsamkeit der Sozialismen

Josef Schüßlburner

Die Frage nach der Gemeinsamkeit der verschiedenen sozialistischen Richtungen wird in dem hiermit online gestellten Beitrag, der aus einem Vortrag hervorgegangen ist, anhand der Analyse des gemeinsamen Liedguts zu beantworten versucht. Dazu wird das Lied „Brüder zur Sonne zur Freiheit“ eingehend untersucht, das auch nach dem Zweiten Weltkrieg insbesondere von der Sozialdemokratie als eine Art Parteihymne gesungen wird, aber auch von deutschen Kommunisten, etwa auf Parteiveranstaltungen der SED oder in Militärparaden des DDR-Regimes, verwendet wurde und welches vor dem Zweiten Weltkrieg auch die Nationalsozialisten mit einer besonderen 4. Strophe übernommen hatten. Die in diesem politischen Lied vorgenommene Aneinanderreihung der Wörter „ewig“, „heilig“ und „letzte“ in Verbindung mit „Sterben“ und der Aussicht auf einen anderen Zustand von „Sonne“ und „Freiheit“, der durch die „Schlacht“ als „letzte“ irreversibel erreicht wird, deutet darauf hin, daß es hier um einen religiösen Text geht. Die Fragen, welche der Text des Liedes offen läßt oder mit einer bestimmten Annahme als beantwortet voraussetzt, wie etwa, warum es zur „Sklaverei“ gekommen ist und wieso die „letzte Schlacht“ diese „ewig“ überwindet, reiht das Partei(en)lied in eine Metaphysik ein, die der Gnosis zugeordnet werden muß. Bei der Gnosis handelt es sich um die mächtigste religiöse Unterströmung der Menschheitsgeschichte, die in der Vergangenheit im Sektenwesen Ausdruck gefunden hatte. Diese Sekten ordnet der vom SPD-Chefideologen Kautsky inspirierte „Stammbaum des modernen Sozialismus“ (um 1900 erstellt) denn auch als Vorläufer desselben ein. Der dabei aufscheinende gnostische Mythos begründet eine Morallehre ohne Moral und eine Freiheitskonzeption ohne Freiheit, da die geschichtliche Dialektik die Selbstverwirklichung des Gerechten im Wege der deterministischen Aufhebung der Geschichtsdetermination ohnehin garantiert und potentielle Amoralität den Niedergang der ungerechten Gesellschaft beschleunigt, was dann automatisch zum Sonnenreich führen soll. Die Freiheit des besungenen Sonnenreichs ist diejenige des als unsterblich imaginierten Kollektivmenschen, der gnostischen Gottheit, welche ihre krankhaften Atome (Individuen nach Marx) und Adern (die einzelnen Völker nach Lassalle) regeneriert. Dieses kollektivistische Weltverständnis erklärt die desaströsen Konsequenzen des Sozialismus im 20. Jahrhunderts.

Mag auch die Sozialdemokratie, bei der sich sicherlich ernsthafte Humanisten finden, ihr Liedgut, in dem das Sterben brüderlich verlacht wird, nur noch symbolisch verstehen, so erscheint die Pflege des gnostischen Mythos und des mit ihm verbundene Seinshasses nicht ungefährlich. Dieser äußert sich vor allem in Ressentiments gegen erfolgreich tätige Individuen und Institutionen. Auch „demokratischen Sozialisten“ kommt selten in den Sinn, zur Verwirklichung ihrer „Sehnsucht Verlangen“ nach „sozialer Gerechtigkeit“ vielleicht selbst Unternehmen zu gründen, wo sie dann die höchsten Löhne und Sozialleistungen mit den höchsten Frauen- und Behindertenquoten vorsehen können. Statt produktiv als Unternehmer mit dem Ziel der Schaffung idealer Arbeitsplätze tätig zu sein, werden sie Politiker, deren wesentliches Machtinstrument ist, mit pseudomoralischen Slogans erfolgreiche Institutionen und Personengruppen Vorschriften zu machen, denen sie selbst nicht entsprechen können, weil sie sich eine unternehmerische Tätigkeit nicht zutrauen: Auch hier wird eine politische Morallehre sichtbar, die an ihre Prediger keine besonderen Anforderungen stellt. Auch der Erlaß von Antidiskriminierungsgesetzen mit dem Ziel der Diskriminierung von Personen mit falschem Gedankengut und ähnliche Maßnahmen lassen das Fortwirken des gnostischen Mythos mit seinen metaphysisch aufgeladenen Antagonismen erkennen, die eine Demokratie nahelegen, in der alle gleich (demokratisch) denken, wenn nicht gar gleich (multirassisch) aussehen.

Es wird darauf hingewiesen, daß das Buch des Verfassers zum Themenkomplex in unveränderter Neuauflage ab sofort - für den Preis von nur 19,90 € - wieder erhältlich ist:



Insbesondere sei dabei auf das 4. Kapitel „(National-)Sozialismus als gnostischer Irrationalismus“ hingewiesen.



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